Gesellschaft, Inklusion, Nachgedacht

Inklusion (Teil 2) – so stell ich mir Gemeinde vor #gemeinsamglauben

Hat Inklusion etwas mit Gemeinde zu tun? Ich meine ziemlich viel, wenn wir daran denken, dass es bei Inklusion ja in erster Linie nicht um Gemeinsames Lernen, sondern um Gemeinsames Leben geht. Was Jesus dazu vorgelebt und gelehrt hat, wie es in Gottes Reich, wo er regiert, zugeht, das sieht für mich sehr nach Inklusion aus.

Schauen wir dazu mal in die Bibel:

Jesus selbst hat sich besonders um die Randgruppen in unserer Gesellschaft gekümmert, er hat die Kranken und Aussätzigen besucht und geheilt, keine Berührungsängste mit Zöllnern und Prostituierten gehabt, mit Ausländern geredet und mit ihnen Gemeinschaft gehabt. Seine Jünger waren eine bunte Schar von Leuten aus den verschiedensten Hintergründen was soziale Herkunft, politische Einstellung und Bildung angeht. Vor Gott sind alle Menschen gleich, sagt uns die Bibel. Jeder Mensch ist gleich wertvoll und liebenswert für ihn, einfach deswegen, weil Gott ihn geschaffen hat und ihn liebt. Ich bin sehr dankbar, dass für Gott nicht zählt, wonach wir immer wieder schauen: Wer ich bin, was ich kann oder leiste, was ich habe oder auch wen ich kenne. In Galater 3,26 und 28 schreibt Paulus:

„Denn ihr seid alle durch den Glauben Gottes Kinder in Christus Jesus. Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus.“

Die Aufzählung von „Gegensätzen“, die Paulus hier macht, ist sicher nicht als vollständig aufzufassen, man könnte vielleicht auch ergänzen (nach Jakobus 2) arm und reich oder behindert und nichtbehindert. Es gibt bei Gott kein Ansehen der Person. Alle gehören gleichwertig dazu.

Im aktuellen Jargon gesprochen: Das Reich Gottes ist inklusiv.
Und der Inklusionsgedanke ist eigentlich ein zutiefst christlicher bzw. biblischer Gedanke. Es ist nicht zufällig, dass er in der christlich geprägten westlichen Welt entstanden ist.

20180223_211355k

Die Bibel beschreibt das Miteinander noch bildhafter:

Im 1. Korintherbrief lesen wir im Kapitel 12,12-27 darüber, dass die Gemeinde wie ein Körper ist, der aus vielen Körperteilen besteht. Juden und Griechen, Männer und Frauen, alle gehören zu einem Leib, jeder dient mit seinen Gaben den anderen, keiner ist weniger wert. Um ein vollkommenes Ganzes zu sein, muss der Körper aus vielen unterschiedlichen Gliedern mit unterschiedlichen Gaben, Fähigkeiten und Funktionen bestehen. Jedes Glied gehört in seiner Andersartigkeit trotzdem zum Leib, es wird gebraucht und kann nicht von einem anderen ersetzt werden. Es heißt auch:

Gerade die Teile des Körpers, die schwächer scheinen, sind besonders wichtig.
Die Teile, die als unansehnlich gelten, kleiden wir mit besonderer Sorgfalt und die unanständigen mit besonderem Anstand.
Die edleren Teile haben das nicht nötig. Gott hat unseren Körper zu einem Ganzen zusammengefügt und hat dafür gesorgt, dass die geringeren Teile besonders geehrt werden.
Denn er wollte, dass es keine Uneinigkeit im Körper gibt, sondern jeder Teil sich um den anderen kümmert. (1.Kor 12,22-25)

Paulus führt uns am Beispiel, wie wir mit unserem eigenen Körper umgehen, vor Augen, dass wir uns auch um die anscheinend schwächeren, unangenehmeren, schwierigeren Menschen in unserer Gemeinde mit höherem Aufwand und besonderer Aufmerksamkeit und Pflege kümmern sollten, damit sie dazugehören und ihre Funktion einnehmen können. Hier wird deutlich: Im Reich Gottes sind die Maßstäbe auf den Kopf gestellt. Die Starken tragen die Schwachen. In der Welt läuft es meist so rum, dass die Starken die Schwachen ausnutzen und auf ihnen herumtrampeln.

Bei Jesus sind oft gerade die, die wir für unbedeutend halten, wichtig. Die Jünger wollen die Kinder wegschicken, weil sie meinen, sie stören Jesus, aber er lässt sie zu sich kommen. Später stellt er ein kleines Kind in die Mitte der Jünger und sagt:

„Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen.“ (Mt 18,3).

Jesus zeigt uns, dass wir von diesen eine Menge in Bezug auf Glauben und Vertrauen lernen können. Ähnliches wird deutlich, als Jesus den Tempel reinigt und Lahme und Blinde zu ihm kommen, weil sie glauben, dass er sie heilen kann und die Kinder ihm zujubeln. Die Hohenpriester und Schriftgelehrten, die sich für die Experten halten, sind verärgert, aber Jesus zitiert Psalm 8,3:

„Aus dem Munde der Unmündigen und Säuglinge hast du dir Lob bereitet.“

Er macht klar, dass die, die wir für dumm, unmündig und unfähig halten, hier viel mehr verstanden haben und ihm mehr Freude und Ehre bereiten. Zu den Unmündigen gehören z.B. auch geistig oder auf andere Art behinderte Menschen. Wir können von ihnen viel Wichtiges lernen – wenn wir sie an unserem Leben teilhaben lassen. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so scheint: Wir brauchen die Kleinen und Schwächeren für ein gesundes Miteinander.

20120916_175254 k.JPG

Kann man nun dieses biblische Modell für Gemeinschaft einfach auf unsere Gesellschaft übertragen und sagen so funktioniert Inklusion? Bei aller Verschiedenartigkeit, die wir miteinander vereinen wollen, braucht es auch unbedingt etwas, dass uns alle eint. Was uns in der Gemeinde zusammenhält, ist der gemeinsame Glaube an Jesus:

So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. (Johannes 3,16)

All denen aber, die ihn aufnahmen und an seinen Namen glaubten, gab er das Recht, Gottes Kinder zu werden. (Johannes 1,12)

Durch den Glauben an Jesus dürfen wir Gottes Kinder sein, zu seiner Familie gehören und Beziehungen wie Geschwister untereinander haben. Oder wie Paulus es nochmal in dem Bild vom Körper ausdrückt:

Ihr alle seid ja ein Leib, in euch allen lebt ein Geist, ihr alle habt die eine Hoffnung, die Gott euch gegeben hat, als er euch in seine Gemeinde berief.
Es gibt für euch nur einen Herrn, nur einen Glauben und nur eine Taufe.
Und ihr kennt nur den einen Gott, den Vater von allem, was lebt. Er steht über allen. Er wirkt durch alle und in allen. (…)
Wir stehen fest zu der Wahrheit, die Gott uns bekannt gemacht hat, und halten in Liebe zusammen. So wachsen wir in allem zu Christus empor, der unser Haupt ist.
Von ihm her wird der ganze Leib zu einer Einheit zusammengefügt und durch verbindende Glieder zusammengehalten und versorgt. Jeder einzelne Teil erfüllt seine Aufgabe, und so wächst der ganze Leib und baut sich durch die Liebe auf. (Epheser 4,4-6.15-16)

Das Miteinander funktioniert, wenn wir Jesus unser Haupt, also unseren Kopf, sein lassen, die Schaltzentrale, die das Zusammenspiel der einzelnen Körperteile regelt. Wie Nervenimpulse will sein Geist die einzelnen Glieder steuern und wie das Blut will seine Liebe durch uns fließen und unsere Beziehungen beleben.

Natürlich wünsche ich mir auch Inklusion in unserer Gesellschaft, aber kann der Staat diese identitätsstiftende, einende Rolle von Jesus einnehmen, kann er Liebe austeilen und erreichen, dass jeder freiwillig die gleichen Werte verfolgt? Ich denke, genauso wenig wie er den Glauben an Jesus staatlich anordnen kann. Jeder kann seinen Teil dazu beitragen, dass Inklusion funktioniert, aber dass wirklich jeder Bürger unseres Landes mit jedem anderen inklusiv lebt, scheint mir ein unerreichbares Ziel zu sein.

Umso wichtiger finde ich, dass wir als Christen anfangen, vorzuleben, was Inklusion bedeutet.
Ich wünsche mir, dass wir in unseren Gemeinden wirklich Platz für alle haben, die anderen in ihrer Andersartigkeit als Bereicherung erleben und keine Mühe scheuen, Gemeinde so zu gestalten, dass sie jedem ein Zuhause geben kann
, Großen und Kleinen, den verschiedenen Generationen, Familien und Singles, Frauen und Männern, Gesunden, Kranken, Behinderten, Leuten mit kleinem und großem Geldbeutel, deutscher und anderer Muttersprache, unterschiedlichen Interessen und unterschiedlichen Begabungen. So stell ich mir Gemeinde vor.

20170527_210655.jpg

Den Anstoß dazu, meine Gedanken zu Inklusion und Gemeinde hier mit euch zu teilen, hat mir Marthas Aufruf zur Blogparade #gemeinsam glauben – Was bedeutet mir (m)eine Gemeinde? gegeben. Zum Thema Gemeinde gibt es dort noch ganz verschiedene interessante Artikel zu lesen.

Hier auf meinem Blog geht es demnächst noch weiter mit dem, was sich in meinem Kopf und Herzen bewegen muss, wenn ich Inklusion leben möchte, so leben, dass keiner ausgeschlossen wird.

Inklusion (Teil 1) – was ist damit gemeint
Inklusion (Teil 3) – wie gehen wir miteinander um
Inklusion (Teil 4) – wie setzen wir das praktisch um

 

 

Advertisements

2 Gedanken zu „Inklusion (Teil 2) – so stell ich mir Gemeinde vor #gemeinsamglauben“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s