Inklusion, Nachgedacht

Inklusion (Teil 3) – wie gehen wir miteinander um

Findest du Inklusion wichtig? Es ist mir ein Herzensanliegen, dass wir so miteinander umgehen, dass sich keiner ausgeschlossen fühlt, dass jeder in unserer Gemeinschaft (also in meinem Umfeld, der Gemeinde, der Gesellschaft als Ganzes) sich angenommen weiß, seinen Platz einnehmen kann und ich sein Anderssein als Bereicherung erleben kann. Was kann ich tun, um so Inklusion zu leben?
Ich fange am besten bei mir selbst an. Inklusion ist nicht so sehr nur ein Prinzip oder ein Gedanke, es geht nicht in erster Linie um Strukturen und Gesetze, die Inklusion in unserer Gesellschaft und Gemeinde ermöglichen oder behindern. Inklusion fängt in meinem Kopf und in meinem Herzen an. Wenn der Gedanke dort gefruchtet hat, dann hat dies auch Auswirkungen auf mein Handeln und Tun.

Ich habe einmal nachgedacht, was sich in meiner Einstellung meinen Mitmenschen gegenüber bewegen sollte.
Hier sind einige Gedankenanstöße, die ich hilfreich finde:

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  • Ich will versuchen, den anderen mit Gottes Augen zu sehen. Gott sieht in mir oder meinem Mitmenschen den Menschen, den er sich ursprünglich gedacht hat. Er sieht nicht, was ich momentan bin, sondern was aus mir werden kann. Bei ihm im Himmel werden wir einmal so sein, wie er uns vollkommen gedacht hatte, bevor wir im Bauch unserer Mutter gebildet wurden.

Du hast mich geschaffen mit Leib und Geist, mich zusammengefügt im Schoß meiner Mutter. Dafür danke ich dir, es erfüllt mich mit Ehrfurcht. An mir selber erkenne ich: Alle deine Taten sind Wunder! Ich war dir nicht verborgen, als ich im Dunkeln Gestalt annahm, tief unten im Mutterschoß der Erde. Du sahst mich schon fertig, als ich noch ungeformt war. Im Voraus hast du alles aufgeschrieben; jeder meiner Tage war schon vorgezeichnet, noch ehe der erste begann. (Ps 139,13-16)

  • Ich will den anderen so annehmen, wie er ist, und ihn achten, weil ich weiß, dass er ein von Gott geschaffener und geliebter Mensch ist. Wenn ich ihn verachte, betrübe ich damit auch Gott.

Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat, denn dadurch wird Gott geehrt. (Römer 15,7)

  • Mit wem suche ich Kontakt, suche ich eine Beziehung bzw. Freundschaft? Entscheide ich ganz nach egoistischen Motiven wie „Was bringt‘s mir“? Oder frage ich „Was würde Jesus tun?“, wenn ich sehe, dass jemand alleine dasteht, den ich weder sympathisch noch von seinen Interessen, seinem Beruf, Ansehen, Aussehen usw. her interessant finde? Wir brauchen unterschiedliche Freundschaften. In manchen Freundschaften stehen beide Partner auf einer Ebene, es ist ein gegenseitiges Geben und Nehmen. Es gibt auch Freundschaften, in denen ich eher der Nehmende bin und wo hauptsächlich ich von den Erfahrungen, dem Wissen usw. des anderen profitiere. Oder ich schätze eine Freundschaft eher so ein, dass hauptsächlich ich die Gebende bin, auch das ist wichtig und ich werde später staunen, wieviel am Ende doch auch ich von dieser Freundschaft profitiert habe, in einer Weise, die ich vorher nicht hätte ahnen können, weil sie sich völlig meinem Blickwinkel entzog. Letztlich wechseln sich in jeder Freundschaft Phasen des Gebens und Nehmens ab, das macht Freundschaft aus, dass man auch in den Phasen, wo der andere mehr Hilfe braucht, treu bleibt.

Ermutigt ihr euch gegenseitig, Christus nachzufolgen? Tröstet ihr euch gegenseitig in Liebe? Seid ihr im Heiligen Geist verbunden? Gibt es unter euch Barmherzigkeit und Mitgefühl? Dann macht doch meine Freude vollkommen, indem ihr in guter Gemeinschaft zusammenarbeitet, einander liebt und von ganzem Herzen zusammenhaltet. Seid nicht selbstsüchtig; strebt nicht danach, einen guten Eindruck auf andere zu machen, sondern seid bescheiden und achtet die anderen höher als euch selbst. Denkt nicht nur an eure eigenen Angelegenheiten, sondern interessiert euch auch für die anderen und für das, was sie tun. (Philipper 2,1-4)

  • Ich will kein ich-bezogenes Leben nach dem Motto „Jeder denkt an sich, nur ich denke an mich,“ führen, sondern an den Satz denken:

„Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ (3.Mose 19,18)

  • Wie gehen wir in der Gemeinde und in unseren verschiedenen Lebensfeldern miteinander um? Bevorzuge ich einige, benachteilige ich andere – und aus welchen Gründen? Arm – reich, sympathisch – unsympathisch, interessant – nichtssagend (auf den ersten Blick), hohes Ansehen – unbedeutend, gebildet – ungebildet, gutaussehend – entstellt, wichtige Beziehungen – wenig hilfreiche Beziehungen. Ich will nicht bewerten, richten, vergleichen, weder mich mit den anderen noch die anderen untereinander. Ich will mich davor in Acht nehmen, stolz, verurteilend und verachtend zu sein, stattdessen demütig, gnädig und barmherzig sein. (Lies dazu Jakobus 2,1-13)

Liebe Brüder (und Schwestern), wie könnt ihr behaupten, an Jesus Christus, den Herrn der Herrlichkeit, zu glauben, wenn ihr bestimmte Menschen bevorzugt? Nehmen wir zum Beispiel an, in eure Gemeinde kommen ein teuer gekleideter Mann mit kostbarem Schmuck und ein armer Mann in schäbiger Kleidung. Und ihr würdet dem Reichen besondere Aufmerksamkeit schenken und ihm einen guten Platz anbieten, zu dem Armen aber sagen: »Du kannst da drüben stehen oder dich auf den Boden setzen.« Zeigt diese unterschiedliche Behandlung nicht, dass ihr euch von falschen Motiven leiten lasst?
(Jakobus 2,1-4)

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  • Wie gehe ich mit Menschen um, die mich nicht mögen und mit denen es mir sehr schwer fällt auszukommen? Ich muss nichts erheucheln und erzwingen, aber ich kann jemanden, den ich nicht mag, zumindest im Stillen segnen (anstatt mich lustig zu machen, zu lästern und mich aufzuregen). Vielleicht erlebe ich schon bald, wie Gott den anderen oder meine Haltung zu ihm verändert.

Wenn ihr verfolgt werdet, weil ihr zu Christus gehört, dann verflucht eure Verfolger nicht, sondern erbittet den Segen Gottes für sie. Vergeltet anderen Menschen nicht Böses mit Bösem, sondern bemüht euch allen gegenüber um das Gute. Tragt euren Teil dazu bei, mit anderen in Frieden zu leben, so weit es möglich ist! Liebe Freunde, rächt euch niemals selbst, sondern überlasst die Rache dem Zorn Gottes. Denn es steht geschrieben: »Ich allein will Rache nehmen; ich will das Unrecht vergelten«, spricht der Herr. Handelt stattdessen so, wie es in der Schrift heißt: »Wenn dein Feind hungrig ist, gib ihm zu essen. Wenn er durstig ist, gib ihm zu trinken, und er wird beschämt darüber sein, was er dir angetan hat.« Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse durch das Gute! (Röm 12,14.17-21)

  • Wie gehe ich mit Menschen um, die meiner Meinung nach oder nach meinem Erkenntnisstand auf dem falschen Weg unterwegs sind? Ich will anerkennen, dass auch meine Sicht nur begrenzt ist und ich nicht die Wahrheit für mich gepachtet habe. Ich will den anderen nicht eines Besseren belehren, sondern ihn zurecht lieben. Was Streitigkeiten über den Glauben betrifft, ist es wichtig, dass Jesus im Zentrum steht. Wenn wir ihn beide als Herrn und Retter lieben und ihm ähnlicher werden wollen, fallen andere Unterschiede nicht so sehr ins Gewicht.

Jetzt sehen wir die Dinge noch unvollkommen, wie in einem trüben Spiegel, dann aber werden wir alles in völliger Klarheit erkennen. Alles, was ich jetzt weiß, ist unvollständig; dann aber werde ich alles erkennen, so wie Gott mich jetzt schon kennt. (1.Korinther 13,12)

So erkennt ihr den Geist Gottes: Jeder, der bekennt, dass Jesus Christus wirklich als Mensch auf die Erde gekommen ist, hat den Geist Gottes. (1.Johannes 4,2)

  • Was ist die Folge für mich, wenn ich anderen Gutes tue, sie aufnehme? Ich will mich von Matthäus 25,40 ermutigen lassen, wo Jesus zu den im Weltgericht gerecht Gesprochenen sagt:

Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.

  • Was ist die Folge für mich, wenn ich andere ausgrenze? Es ist ernst für die, die ihren Nächsten nicht gedient haben, denn sie ließen mit ihrem Nächsten quasi auch Jesus gleich mit links liegen. (vgl. Matthäus 25,45)

Es wird keine Barmherzigkeit für den geben, der anderen gegenüber nicht barmherzig war. Wer aber barmherzig war, wird auch vor dem Gericht Gottes bestehen. Liebe Brüder (und Schwestern), was nützt es, wenn jemand von seinem Glauben spricht, aber nicht entsprechend handelt? Ein solcher Glaube kann niemanden retten. (Jakobus 2,13-14)

Ja, man ist schnell dabei, von Inklusion, vom Glauben zu reden, aber dann auch die ersten Schritte zu tun? Das fordert heraus!

Es ist so schön und einfach, sich nur mit seinen Lieblingsmenschen zu umgeben.
Und Inklusion, ein Miteinander mit allen, zu leben, kann ganz schön anstrengend sein – aber auch so bereichernd!

Ich muss mich für einen Lebensstil entscheiden.
Bin ich zufrieden damit, dass es mir gut geht und eher gleichgültig gegenüber dem Schicksal meiner Mitmenschen?
Will ich exklusiv sein, etwas Besonderes darstellen, dann werde ich mich von anderen absondern und nur Beziehungen eingehen, von denen ich profitiere.
Oder will ich lieber dadurch auffallen, dass ich daran mitarbeite, dass wir als Menschen mit den unterschiedlichsten Besonderheiten miteinander leben können?
Wenn wir unsere Gesellschaft für Inklusion gewinnen wollen, müssen wir in unserem Kopf und Herzen anfangen.
Ich bin sicher, Gott wird jedem, der so leben möchte, darin einen großen Segen zukommen lassen.

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Den Anstoß dazu, meine Gedanken zu Inklusion und Gemeinde hier mit euch zu teilen, hat mir Marthas Aufruf zur Blogparade #gemeinsam glauben – Was bedeutet mir (m)eine Gemeinde? gegeben. Zum Thema Gemeinde gibt es dort noch ganz verschiedene interessante Artikel zu lesen.

Hier findest du die anderen Beiträge zum Thema Inklusion, demnächst gibt es noch Teil 4 der Serie, wo es um konkrete Tipps zur Umsetzung in der Praxis geht.

Inklusion (Teil 1) – was ist damit gemeint
Inklusion (Teil 2) – so stell ich mir Gemeinde vor
Inklusion (Teil 4) – wie setzen wir das praktisch um

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Ein Gedanke zu „Inklusion (Teil 3) – wie gehen wir miteinander um“

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